IMI-Analyse, April 2015

Rekrutierung in Stadien – Die Bundeswehr und der Fußball

Mit Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht stellt sich der Bundeswehr die Frage, wie sie an die im Allgemeinen militärunwilligen Jugendlichen zur Nachwuchsrekrutierung herankommt. Sie nutzt großflächige Werbekampagnen, Abenteuercamps, Marketing-Strategien zur Darstellung eines Imagewandels zur ‚familienfreundlichen Truppe‘, Rekrutierungsbüros, Sportförderung…. Die Bundeswehr lässt sich dies einiges kosten. All das ist in der Antirekrutierungsarbeit bekannt und diskutiert. Auf einen bisher wenig beleuchteten Aspekt gehe ich im Folgenden ein, insbesondere, weil er augenscheinlich Pilotcharakter für das Militär hat: Gemeint ist die militärische Förderung des kommerziellen Fußballs.

 

Die Bundeswehr wirbt in Bundesligastadien, aber auch in Amateurligen. Werbebanner, Videoclips, Anzeigen in Heften, Trikotsponsoring als Brustsponsor, Mitfinanzierung von Kleinbussen, Ausrüstungsfinanzierung, Trainingslager für Jugendliche oder als „Sponsor des Tages“ in der Halbzeitpause, wie bei Hertha BSC geschehen… Die Bundeswehr nutzt vielfältige Möglichkeiten, das eiserne Kreuz im Fußball zu präsentieren.

 

Die Bundeswehr will die hohe Popularität des Sports und insbesondere des Männer-Fußballs ausnutzen. Gezielt wirbt das Militär bei Jugendlichen mit gemeinschaftlichem Erleben und Emotionen. Bewusst wird die Begeisterungsfähigkeit der Fans ausgenutzt. Ziel ist weniger der konkrete „Werbekontakt“ – vielmehr soll die Bundeswehr als allgemeine ‚normale‘ und sympathische ‚Arbeitgeberin‘ präsentiert werden.

 

Ziel ist es – so die Bundeswehr – „mit diesen Kommunikationsmaßnahmen die identifizierte Zielgruppe anzusprechen. Diese liegt, da zumeist in der Phase der Berufsorientierung, in der Altersspanne 17 bis 30 Jahre. Diese Altersgruppe kann, ebenso wie eine breite Öffentlichkeit, mittels Sportkooperationen und Werbung bei Sportveranstaltungen gut auf die Bundeswehr aufmerksam gemacht werden. Darüber hinaus ist es meist unmittelbar möglich, in ausführlichen Gesprächen über Chancen und Risiken des Soldatenberufes aufzuklären. Diese Aufmerksamkeit sowie den daran anschließenden persönlichen Dialog verspricht sich die Bundeswehr von Personalmarketing im sportlichen Umfeld

 

Damit verstößt die Bundeswehr gegen die Intention der UN-Kinderrechtskonvention, die gerade vermeiden will, dass das Militär unter Minderjährigen werben darf. Dies hat der UN-Fachausschuss für die Rechte des Kindes im Februar 2014 bekräftigt und die Rekrutierungs- und Werbemaßnahmen der Bundeswehr kritisiert in seinen „Abschließenden Bemerkungen“ zum 3. und 4. Staatenbericht Deutschlands fordert der Ausschuss ein Verbot aller Formen von Werbekampagnen für die Bundeswehr, die Jugendliche adressieren (siehe hierzu Seite 15 der Anlage 2). Wendet sich der UN-Fachausschusses zwar in besonderem Maße gegen die ‚Informationsveranstaltungen‘ der Bundeswehr an Schulen, lässt sich die Kritik analog auf die Werbemaßnahmen im Sport beziehen, da die Werbung und ‚Information‘ der Bundeswehr auch hier maßgeblich auf Kinder und Jugendliche zielt.

 

Die gesamte Studie kann hier als PDF-Datei herunter geladen werden:  IMI-Analyse


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