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Erläuterungen und Stellungnahme zur Abendveranstaltung „Durst auf Heimat. Konfliktlinien in Israel und Palästina“ am 15.12.2011 in der Goldenen Rose.

 

Während der Veranstaltung „Durst auf Heimat. Konfliktlinien in Israel und Palästina“, die im Rahmen der Reihe „Engagiert für Frieden und Entwicklung“ stattfand, kam es zu Ereignissen, die zu mehrfachen Nachfragen geführt haben und so einige Erläuterungen – auch als Richtigstellung gegenüber diversen Falschinformationen in der Pressemitteilung des vermeintlichen „Arbeitskreis' kritischer Studenten an der MLU“ – notwendig machen. (zu finden unter: http://www.halleforum.de/viewtopic.php?topic=19273&forum=1)

 

In der seit 2008 bestehenden Reihe „Engagiert für Frieden und Entwicklung“ führen wir Dank der Unterstützung durch die GIZ (vormals InWent) und weiterer Förderer sowie Kooperationspartner regelmäßige Veranstaltungen durch, in denen verschiedene, weltweit stattfindende Konflikte näher beleuchtet und praktische Ansätze zur Friedensarbeit und zivilen Konfliktbearbeitung vorgestellt werden. Unser Hauptanliegen besteht dabei in der differenzierten Betrachtung und Sensibilisierung auf die jeweils komplexen Konflikthintergründe und bestehenden konstruktiven Ansätze zur Bearbeitung dieser Konflikte.

Dabei wollen wir kein einseitiges, polarisierendes Bild entwerfen oder einseitig für eine der konfliktbeteiligten Partei ergreifen, sondern den Konflikt im Kontext und unter Bezugnahme verschiedener Perspektiven betrachten. Auch wenn die eingeladenen Referent_innen aus ihrem jeweiligen Erfahrungsbereich berichten (der natürlich immer subjektiv und eingeschränkt ist), ist uns die allparteiliche Perspektive auf den jeweiligen Konflikt mit dem Fokus der gewaltfreien Bearbeitungsansätze wichtig. Aus diesem Grund versuchen wir nicht nur Friedensfachkräfte (überwiegend des Zivilen Friedensdienstes - http://www.ziviler-friedensdienst.org oder des Entwicklungsdienstes bzw. weitere engagierte Expert_innen) als Referent_innen für die Veranstaltungen zu gewinnen, sondern räumen immer viel Zeit während der Veranstaltung ein, um mit dem interessierten Publikum in einen konstruktiven – und auch gerne kontroversen – Austausch zu treten. Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter: http://www.friedenskreis-halle.de/uebergeordnetprojekte/engagiert-fuer-frieden-und-entwicklung.html

 

Für den Friedenskreis Halle e.V. gehören aktive Gewaltfreiheit und zivile Konfliktbearbeitung zu den bestimmenden Leitthemen sowie wesentlichen Werten, die wir in unserer täglichen Arbeit zur Friedenbildung und unseren Projekten umsetzen. Die Anwendung von Gewalt wird von uns grundlegend abgelehnt. Die Überwindung von Gewalt in Sinne einer aktiven Gewaltlosigkeit sowohl auf persönlicher sowie gesellschaftlicher Ebene ist zentrales Anliegen unseres Engagement. Dementsprechend lehnen wir auch in globalen Kontexten jede Gruppierung ab, die mit den Mitteln der Gewalt versucht jeweilige Ziele zu erlangen. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und der daraus resultierenden besonderen Verantwortung für alle während der NS-Zeit Verfolgten ist ebenfalls Teil unserer dauerhaften Arbeit. Das Engagement gegen Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung bestimmen unser lokales Engagement und sind wichtiger Inhalt unserer Bildungsarbeit. Mit unseren internationalen Freiwilligendiensten, Jugendbegegnungen und Workcamps stehen wir in der Tradition der nach dem 1.und 2. Weltkrieg entstandenen Friedens- und Versöhnungsdiensten.

Eine Rechtfertigung oder Verharmlosung der Gewalt von radikalen palästinensischen Gruppen wie der Hamas ist durch den Friedenskreis Halle e.V. oder im Rahmen von Angeboten und Veranstaltungen niemals erfolgt. Ebenso wurde niemals das Existenzrecht Israels in Frage gestellt. Der Vorwurf der Vertretung oder Verbreitung des Antisemitismus durch den Friedenskreis Halle e.V. entbehrt jeglicher Grundlage.

Entgegen der überregional bekannten konstruktiven Ausrichtung und differenzierten Arbeit des Friedenskreis Halle e.V., nahm die der politischen Strömung der Antideutschen (Informationen z.B. unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche) zuzurechnenden Gruppe „no tears for krauts“ die am 15.12.2011 durchgeführte Abendveranstaltung zum Anlass, um dem Friedenskreis Halle, der Referentin und auch pauschal den Besucher_innen Antisemitismus zu unterstellen. Mit dem (in ihrem Flugblatt so beschriebenen) Ziel „diese antizionistische Friedenstümelei samt völkischen Gemeinschaftsgefühls der Besucher und Veranstalter öffentlich zu denunzieren“ protestierte die o.g. Gruppe vor dem Veranstaltungsort und verteilte Flugblätter.

Wir als Friedenskreis Halle e.V. halten gewaltfreien Protest für ein legitimes und wichtiges Mittel des politischen Ausdruckes und der demokratischen Auseinandersetzung. Darüber hinaus verstehen wir uns als offenen, vielstimmigen und meinungspluralistischen Verein, in dem Dialogbereitschaft und konstruktive Auseinandersetzung aktiv gelebt werden. So wurde auch die Gruppe „no terars for krauts“ trotz ihres Protestes gegen die Veranstaltung offen eingeladen doch teilzunehmen, um in einen konstruktiven Austausch miteinander zu treten – passend zum Veranstaltungsanliegen. Leider war dies nicht das Anliegen der Gruppe. Dass sie nicht am Dialog interessiert, sondern gekommen war, um zu stören, wurde in der ca. 45 Minuten dauernden Auseinandersetzung durch ihr Auftreten deutlich. Die Referentin konnte keine drei Minuten am Stück reden, ohne von Mitgliedern der Gruppe „no tears for krauts“ unterbrochen zu werden. Immer wieder wurden Stichworte aufgegriffen, als vermeintliche Fragen rekonstruiert und provokant in den Raum geworfen, um die Referentin zu stören bzw. zu diffamieren. Dabei ging es nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung (da auch ihre Antworten immer wieder unterbrochen wurden), sondern um die Darstellung der eigenen Protesthaltung und Störung der Veranstaltung. Verbale Provokationen und Beleidigungen der Referentin und der Besucher_innen zählte dabei zum Standardvokabular der Gruppenmitglieder. Nach mehrfacher vergeblicher Aufforderung seitens der Moderation und des interessierten Publikums in einen konstruktiven Dialog zu treten – d.h. die Referentin auch vortragen zu lassen, um im Anschluss inhaltliche Fragen und Anregungen einzuwerfen bzw. mit dem Veranstalter und einer anwesenden zweiten Friedensfachkraft in direkten Dialog zu treten – oder die Räumlichkeiten eigenständig zu verlassen und einer immer weiter eskalierenden Stimmung, waren die Handlungsspielräume des Veranstalters schlussendlich erschöpft, dass die Polizei gerufen wurde. Dieser Schritt wäre nicht gegangen worden, hätte sich die protestierende Gruppe tatsächlich auf „kritische Nachfragen“ beschränkt, wie sie in der Pressemitteilung vorgibt, und eine konstruktive Dialogbereitschaft und respektvollem Umgang signalisiert.

 

Der Friedenskreis Halle ist gern bereit sich fachlich mit der Frage auseinander zu setzen, ob gerade bei dieser Veranstaltung zum israelisch-palästinensischen Konflikt zu wenig darauf geachtet wurde, dass die konstruktiven Konfliktbearbeitungsansätze in dem stattgefundenen Vortrag thematisiert wurden. Auch hätte ein/e zweite/r Referent/in, der/die die israelische Perspektive auf den Konflikt stärker beleuchtet, sicherlich die Veranstaltung bereichert. Dennoch möchten wir an dieser Stelle nochmals ausdrücklich klarstellen, dass diese Veranstaltung (anders als im Flugblatt oder der Pressemitteilung verkündet) keinen antisemitischen Charakter oder Zielrichtung hatte. Es wurden durch den Veranstalter und die Referentin keine Sympathie für die Hamas bekundet, Israel nicht dämonisiert bzw. als Unrechtsstaat bezeichnet. Zeit zur Diskussion und kritischen Auseinandersetzung um die verschiedenen bestehenden Perspektiven auf den Konflikt gab es und wurde durch das verbliebene Publikum rege genutzt. Dies wurde allerdings erst nach dem Weggang der Protestgruppe aus dem Veranstaltungsraum möglich. Die aus der Arbeit in einem Projekt in der Westbank (http://projekte.ziviler-friedensdienst.org/node/1384) begründete Subjektivität und Eingeschränktheit ihres Blicks wurde durch die Referentin benannt. Durch Beiträge aus dem Publikum konnten ihre Ausführungen ergänzt und erweitert werden.

Die nachträglich in der Pressemitteilung verbreiteten Falschaussagen bestätigen vielmehr das Anliegen der Gruppe, wie es auch in der Veranstaltung am 15.12. deutlich wurde: Dass es ihnen nicht um die inhaltliche Auseinandersetzung geht, sondern um, die auf sich selbst bezogene Bestätigung bestehender Vorurteile und abstruser Überzeugungen. Nach diesen wird pauschal jeder Veranstaltung oder Publikation grundsätzlich Antisemitismus unterstellt, wenn sich diese auch mit der Perspektive der Palästinenser_innen auf den Konflikt im Nahen Osten beschäftigt.

Der Friedenskreis Halle wird die Thematisierung von Krisen und Konflikte in der globalen Welt sowie den Einsatz und die Verbreitung von zivilen, gewaltfreien Wegen zu deren Bearbeitung mit weiteren Vorträgen und Diskussionen fortsetzen. In diesem Rahmen ist auch eine Veranstaltung zum jüdischen Friedensengagement in Israel vorgesehen.

 

Für Anregungen und konstruktive Kritik sind wir offen. Ansprechbar für den Friedenskreis Halle e.V. ist der Geschäftsführer Christof Starke ( starke(at)friedenskreis-halle.de ) und für das Projekt „Engagiert für Frieden und Entwicklung“ die Projektkoordinatorin Sandra Bauske ( bauske(at)friedenskreis-halle.de ).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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