Mareikes Bericht

Travelling - it leaves you speachless, then turns you into a storyteller. Ich finde, das klingt sehr abenteuerlich. Und wahr. Als ich nach Spanien kam, hatte ich keine hochfliegenden Pläne, bis auf Spanisch lernen und ein bisschen die spanische Sonne genießen. Und dann auch noch nahe Granada!

Nun, zumindest der Plan mit der Sonne ist aufgegangen. Seit sechs Monaten lebe ich jetzt in einem 200 Seelen Dorf dessen Menschen ich nicht verstehe und dessen Umgebung ich nach ungefähr vier Wochen in und auswendig kenne. Die Busse nach Granada sind so spärlich, dass ich jetzt auch den fünf Kilometer Weg an der Autobahn über die Felder der Vega Granadina ins nächste Dorf ziemlich gut kenne - von da fahren nämlich auch am Wochenende Busse nach Granada. Dort bin ich auch jedes Wochenende, schließlich sind nach dreimonatigem allein-arbeiten, allein-wohnen und allein-sein-in-Trasmulas die Volontäre in Granada meine größte Hoffnung auf soziale Kontakte, ohne viel Spanisch zu sprechen, bis auf meine Chefinnen natürlich. Dafür nehme ich dann auch gerne mal den Fußweg in Kauf - es lohnt sich, Granada ist eine schöne Stadt zum Besichtigen, Essen oder Tanzen gehen. Aber ich wohne eben nicht in Granada. Zurück nach Trasmulas. In dem Hostel, in dem ich arbeite, gibt es immer etwas zu tun - wenn auch am Anfang nicht immer etwas für mich und die zweite Volontärin. Einer der Gründe, warum sie seit Dezember lieber wieder in Frankreich arbeitet. Also was tun? Ich habe Glück, ich kann ein bisschen mit Kamera und Computer umgehen, also schreibe ich Facebookposts, mache Fotos und Videos, bastle an Flyern und Plakaten - ich kann mich hier in meinen bescheidenen Möglichkeiten kreativ austoben. Aber ich arbeite nicht nur am Computer, auch Arbeiten im Büro oder Hostel bleiben nicht aus - Schränke bauen, Zimmer streichen, Feuerholz tragen - und dabei mein Spanisch verbessern, weil die meisten Mitarbeiter hier kein Englisch sprechen. Gut so. Eine der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe, ist, über meinen Schatten zu springen. Wenn man etwas braucht, muss man es auch sagen. Also sage ich, dass ich mehr mit Jugendlichen arbeiten möchte. Nach dem deutsch-spanischen Jugendaustausch, eine der arbeitsreichsten, lehrreichsten und schönsten Wochen in den vergangenen sechs Monaten, habe ich angefangen, im Englischunterricht in zwei Schulen in Granada auszuhelfen. Der Jugendaustausch hat mich allerdings so sehr beeindruckt, dass ich ihm zumindest den letzten Absatz widmen muss. In drei Workshops - Trommeln, Reiten und Sandkastenbau konnten die Jugendlichen sich vor allem untereinander kennen lernen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, machten die Sprachbarrieren schon bald nichts mehr aus - man konnte zusehen wie zwei Kulturen aufeinander prallen ("Die küssen sich zur Begrüßung?" "Warum nehmen die denn alles so ernst?" ) und sich nach wenigen Tagen anpassen und vermischen. Auf einmal hörte man die Jugendlichen alle möglichen Wörter in der anderen Sprache sagen - und auch nach vier Monaten - bei einem Vorbereitungstreffen für den nächsten Austausch, waren noch erstaunlich viele deutsche Wörter in Erinnerung der spanischen Jugendlichen geblieben. Mein Fazit: Der nächste Austausch im Mai findet auf jeden Fall mit mir statt. Diese Erfahrungen möchte ich nicht mehr missen. Fazit nach sechs Monaten: Vieles ist nicht so gelaufen wie gedacht und ich habe viele Sachen gelernt, die ich nicht lernen wollte. Mehr Geduld. Mehr Durchsetzungsvermögen. Einen unerschütterlichen Optimismus den Dingen gegenüber, die da kommen. Und gleichzeitig habe ich einige meiner schönsten und intensivsten Erfahrungen gemacht. Für sechs Monate nicht einmal so wenig.


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