Pressemitteilung:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Heinrich Heine (aus der Tragödie Almansor)


Aus Anlass des 81. Jahrestages der Bücherverbrennung findet am Montag den 12. Mai 2014 zwischen 15:30 und 17:30 Uhr eine Gedenkveranstaltung des Studierendenrates der „Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg“ und „Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage“ auf dem Uni-Platz statt. Wir lesen aus den Werken der ehemals verfemten Autoren in der NS-Zeit: Erich Kästner, Carl von Ossietzky, Heinrich Heine, Karl Marx und Kurt Tucholsky, deren Werke verbrannt und verboten wurden. Wir erinnern damit an die Bücherverbrennung von 1933 und ihre Folgen, und wollen gemeinsam ein Zeichen für Bildung, Kultur und Geist setzen. Wir laden hiermit alle Bürgerinnen, Bürger und Gäste unserer Stadt herzlich zu unseren Lesungen ein.

Stura der MLU und Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage

Ablaufplan

Vor dem Löwengebäude:

  • Erich Kästner, „Über das Verbrennen von Büchern“
  • Carl von Ossietzky, Artikel aus „die Weltbühne“
  • Heinrich Heine, „Deutschland ein Wintermärchen“
  • Erich Kästner, „Politische Lyrik“


Vor dem Audimax:

  • Karl Marx, „Das Manifest“
  • Erich Kästner, „Fabian“
  • Kurt Tucholsky, „Lyrik 5 PS 1924 – 1925“, „Lyrik 1929“
  • Erich Kästner, „Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung“

 

Hintergrund


„Die Drohung, mit der die Fackel in den Bücherstapel fliegt, gilt nicht dem Juden Freud, Marx oder Einstein, sie gilt der europäischen Kultur, sie gilt den Werten, die die Menschen mühsam hervorgebracht und die der Barbar anhaßt, weil er halt barbarisch ist, unterlegen, roh, infantil.” Arnold Zweig

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 erfolgte zur Festigung der Macht der Nationalsozialisten wenig später die sogenannte „Gleichschaltung“ aller Bereiche des öffentlichen Lebens. Ab Mitte Februar 1933 wurden Schulbüchereien nach gemäß der NS-Ideologie geschichtlich nicht geeigneten Werken durchgesehen. Im März folgte die groß angelegte Säuberungsaktion „Wider den undeutschen Geist!“ Im April ist in einer halleschen Zeitung zu lesen, dass die deutsche Studentenschaft vom 12. April bis 10. Mai einen „Aufklärungsfeldzug wider den undeutschen Geist“ veranstaltet. Auf öffentlichen Anschlägen wird in 12 Thesen der treibende Geist dokumentiert.

„Verbrennt mich…! Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht , zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen. Verbrennt die Werke des deutschen Geistes. Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach.” Oskar Maria Graf

Die braune Studentenschaft in Halle ging zunächst aktionistisch und hysterisch vor, ändert später jedoch ihre Taktik. Studierende befragten Buchhändler und Bibliothekare, welche Bücher jüdischer, marxistischer und sonst „volkszersetzender“ Autoren am meisten gekauft bzw. ausgeliehen wurden. Das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ verteilte etwa zur gleichen Zeit eine in Berlin entstandene Liste an die Studentenschaft der Hochschulen. Diese aus Berlin stammende Liste wurde in Halle durch die des Umfrageergebnisses ergänzt, so dass der „vorläufige Hallesche Generalindex“ schließlich 140 AutorInnen umfasste. Auf der Berliner Liste fehlen u.a. Heinrich Heine, Klabund, Frank Wedekind, Albert Einstein, Carl Zuckmayer und Friedrich Hollaender. Am 10. Mai 1933 findet in Berlin die zentrale Bücherverbrennung statt. Zwei Tage später, am 12. Mai, folgte man, unter maßgeblicher Verantwortung der halleschen NS-Studentenschaft, in Halle dem Berliner Vorbild und verbrannte die Schriften jüdischer, marxistischer und anderer verhasster Autoren. Am 23. Mai 1933 kann man in einer Zeitung lesen, dass 20 hallesche studentische Verbindungen geschlossen der NSDAP beigetreten waren.

„Die Flammen, die zuerst über dem Bücherhaufen prasselten, verschlangen später im Feuersturm unsere Städte und die Menschen selbst. Nicht der Tag der Bücherverbrennung allein muß im Gedächtnis behalten werden, sondern diese Kette von dem Lustfeuer an diesem Platz über die Synagogenbrände zu den Feuern vom Himmel auf die Städte.” Peter Suhrkamp

Für die Richtigkeit und weitere Informationen:
Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage
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www.halle-gegen-rechts.de


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