Unsere Kinder kriegt ihr nicht!

Ich bin in einer Zeit zur Schule gegangen, als die Wehrpflicht noch bestand und die Bundeswehr an den Schulen noch Werbung gemacht hat – damals für Sportwettbewerbe und Sommercamps mit Militär-Touch. Schlussendlich aber auch für die Wehrpflicht. Schon damals gab es Widerstände und Proteste dazu an der Schule. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Proteste zur Wehrpflicht genauso Teil der Politisierung waren, wie Proteste über Atomkraft und Castortransporte.


In dem Jahr, in dem ich Abitur machte, wurde die Wehrpflicht abgeschafft. Im gleichen Jahr wurde auch der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Ich bin aufgewachsen mit dem sicheren Gefühl, dass die Gesellschaft sich in die richtige Richtung bewegt, dass meine Proteste (und die Generationen vor mir) etwas bewegen und bewirken – egal ob bei der Frage nach Militarisierung oder dem Kampf gegen den Klimawandel.


Nun habe ich zwei kleine Kinder, zwei Söhne* und es ist erneut eine Zeit, in der meine Kinder sich für´s Nicht-Schießen und für die gewaltfreie Auseinandersetzung rechtfertigen müssen. Das betrübt und verängstigt und verärgert mich. Plötzlich habe ich das Gefühl, Konstantin Wecker war nicht nur eine Friedensikone meiner Eltern, sondern seine Texte sind heute wieder genauso relevant. Wie soll ich denn meinen Kindern erklären, dass viele Verantwortliche Menschen in der Politik scheinbar nichts gelernt haben aus den vergangen Jahrzehnten? Wie soll ich erklären, dass die Profitgier größer ist als ein Menschenleben und die Angst stärker ist als die Solidarität. Wie soll ich erklären, dass die Kinder der Menschen, die über Wehrpflicht entscheiden, sicher am Ende nicht ganz vorne im Schützengraben liegen werden?


Was mir aber am meisten Sorge bereitet, ist das stille Abnicken dieser Entwicklungen gesellschaftlich. Die schleichende Akzeptanz für Aufrüstung und Militarisierung. In meinen Augen stellt das auch die Friedensbewegung vor neue Herausforderungen, da die Zeiten dringender Erneuerung auf eine Zeit drängenden Aktivismus trifft. Wir sind es der Generation, die in den kommenden Jahren gemustert wird, schuldig, uns für Generationengerechtigkeit auch in der Friedensfrage einzusetzen. Für lebendige Friedensdiskurse. Für globale Perspektiven. Für Intersektionalität und Kapitalismuskritik. Für eine Bewegung, die aktuellen Bedürfnissen der jungen Generation entspricht. Und bei allem Pessimismus bin ich sicher, dass dies gelingen wird!

Norina Möller

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