Ein Blick nach Syrien
Im Januar sind die Spannungen zwischen der syrischen Armee und den kurdischen Kräften der SDF (syrian democratic forces) in Aleppo und Nordostsyrien eskaliert. Es kam zu bewaffneten Konfrontationen, wobei die syrische Armee weite Gebiete der kurdischen Selbstverwaltung unter ihre Kontrolle gebracht hat.
Während des syrischen Bürgerkriegs haben die kurdischen Kräfte der SDF den Nordosten Syriens von der Herrschaft des Assad-Regimes befreit und eine demokratisch-autonome Selbstverwaltung geschaffen.
Allein aus den kurdisch-autonomen Gebieten im Norden Aleppos wurden mehr als 140.000 Menschen vertrieben, mindestens 24 Menschen wurden getötet. Nach dem Sturz des Assad Regimes hat sich die neue Übergangsregierung unter Ahmed al Scharaa zum Ziel gemacht, alle Gebiete des Landes unter staatliche Kontrolle zu bringen.
Trotz dessen, dass am 30.01. ein Friedensabkommen beschlossen wurde, welches eine umfassende Waffenruhe, die schrittweise Eingliederung der kurdischen Militär- und Verwaltungsorgane in den syrischen Staat sowie die Gleichberechtigung der kurdischen Bevölkerung vorsieht, ist die Lage in Teilen weiterhin unübersichtlich und es kommt vereinzelt immer noch zu Auseinandersetzungen.
In der letzten kurdisch kontrollierten Region Kobanê an der türkisch-syrischen Grenze im Norden des Landes ist die humanitäre Lage dramatisch. Eine Regierungsblockade erschwert die Versorgung der Vertriebenen, die dort zu Tausenden Zuflucht gefunden haben:
https://taz.de/Humanitaere-Katastrophe-in-Kobane/!6154803/
Zur Situation der Kurden in Syrien ein umfassender Artikel der Politikwissenschaftlerin und Konfliktforscherin Dastan Jasim (BpB): https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/syrien-2025/562725/die-kurden-in-syrien/
Über die Hintergründe der gewaltsamen Konfrontation zwischen dem syrischen Militär und der SDF – ein Überblickartikel von Adopt a Revolution:
https://adoptrevolution.org/was-passiert-in-nordost-syrien/
Adopt a Revolution hat mit zwei Personen aus der Region über die Angst vor einem Krieg, die die militärische Eskalation geschürt hat, Polarisierungen innerhalb der syrischen Gesellschaft sowie Ursachen, Verantwortung und politische Perspektiven gesprochen:
https://adoptrevolution.org/die-groesste-angst-ist-der-krieg/
Adopt a Revolution ist eine deutsch-syrische Solidaritäts- und Menschenrechtsorganisation, die sich im Kontext der syrischen Revolution 2011 und dessen brutaler Verfolgung gegründet hat. Ziel der Initiative ist es, zivilgesellschaftliche Akteure zu unterstützen, Dialog zu fördern und sich für eine demokratische, pluralistische syrische Gesellschaft, für Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben in Syrien einzusetzen.
Über Angriffe auf zivile Einrichtungen, die allgemeine humanitäre Situation in Syrien und die Kriegsmüdigkeit der syrischen Bevölkerung hat Radio Corax mit Dr. Thorsten Klose-Zuber gesprochen, der für die internationale Hilfsorganisation Help in Syrien arbeitet (Stand 08.01.2026): https://radiocorax.de/angriffe-auf-zivilisten-in-aleppo/
Über die aktuelle Situation in Nordostsyrien berichtet die feministische Initiative Women Defend Rojava, die sich für die Sichtbarkeit der Frauen in Nord- und Ostsyrien und eine freie und demokratische syrische Gesellschaft einsetzt, fast täglich. Zu hören über Radio Corax: https://radiocorax.de/nachrichten-aus-nord-ost-syrien-vom-28-februar-2026/