Erinnern an Srebrenica

Am 11. Juli jährte sich zum 31. Mal das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 über 8.300 bosnisch-muslimische Jungen und Männer von bosnisch-serbischen Truppen ermordet wurden. Srebrenica gilt als das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

900 Menschen werden auch 31 Jahre später immer noch vermisst. In diesem Jahr wurden auf dem Friedhof in Potočari im Rahmen einer Trauerfeier 10 weitere Opfer beerdigt, deren Überreste durch Massenausgrabungen gefunden wurden:

https://www.tagesschau.de/ausland/europa/srebrenica-gedenken-108.html

Auch in diesem Jahr hat wieder ein Friedensmarsch von Tuzla nach Potočari stattgefunden, bei dem 6.500 Menschen teilgenommen haben, um den Opfern von Srebrenica sowie den Überlebenden zu gedenken, die tagelang zu Fuß auf der Flucht waren:

https://de.euronews.com/video/2026/07/08/tausende-nehmen-an-friedensmarsch-in-bosnien-fur-opfer-von-srebrenica-teil

Vor drei Jahren wurde der 11. Juli im Rahmen einer UN-Resolution zum internationalen Gedenktag erklärt – gegen die Stimme Serbiens (außerdem noch China und Russland). Serbien und die Republika Srpska (mehrheitlich serbischer Teil Bosniens, in der Srebrenica liegt) leugnen jedoch bis heute die Verbrechen, die vom internationalen Gerichtshof sowie vom internationalen Jugoslawien Tribunal, welches von 1993 bis 2017 mit der juristischen Aufarbeitung beauftragt war, als Völkermord eingestuft wurden.

Wie gefährlich Gedenken in Serbien ist, zeigt der Fall des Schriftstellers Vladimir Arsenijević, der am diesjährigen internationalen Gedenktag in Belgrad gemeinsam mit anderen Menschen erinnern wollte und zuvor bedroht und zusammengeschlagen wurde:

https://taz.de/Jahrestag-des-Massakers-von-Srebrenica/!6195703/

weiterführende Quellen:

Für mehr Hintergrundwissen, siehe:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/563876/der-voelkermord-von-srebrenica/

Über das Gedenken und die (umkämpfte) Erinnerungskultur in Bosnien und Serbien hat radio corax mit der Politikwissenschaftlerin und Historikerin Larissa Schober gesprochen (20 min., 2020):

https://radiocorax.de/umkaempfte-erinnerung-an-srebrenica/

Das Srebrenica Tape – Liebesbotschaft aus dem Krieg“ (Dokumentarfilm von Chiara Sambuchi, 2025, 90 min.): Der Hobbyfilmer Sejfo dreht in der bosnisch-muslimischen Enklave Srebrenica zwischen 1993 und 1995 einen Film über den Alltag im Krieg, die Ängste und Hoffnungen der Menschen. Es ist eine Liebesbotschaft an seine kleine Tochter Alisa. Dreißig Jahre später kehrt sie dahin zurück, wo das „Srebrenica Tape“ entstanden und an dem ihr Vater ermordet wurde: https://www.ardmediathek.de/tv-programm/6a15493457b16bf4bca56c64

Srebrenica überleben“ (Buch, Hasan Hasanović, 2024):

Der 1975 geborene bosnische Muslim Hasan Hasanović erlebte den Bosnienkrieg als Jugendlicher. Er schildert seinen Alltag vor dem Krieg und zeigt den gewaltigen Einschnitt, den dieser für ihn und seine Familie bedeutete. Der Autor berichtet von Flucht, Vertreibung und dem Leben im Flüchtlingslager in Srebrenica, wo er von 1992 bis 1995 mit seiner Familie untergebracht war. Aus persönlicher Sicht verdeutlicht er die Umstände des Lebens im Lager, spricht über die Hoffnungen, Ängste und Nöte dieser Zeit, in der Srebrenica zur UN-Schutzzone erklärt wurde, von niederländischen Blauhelmsoldaten geschützt werden sollte und dennoch im Juli 1995 von bosnisch-serbischen Einheiten militärisch erobert werden konnte. Hasanović macht auf die Hintergründe und den Verlauf des Völkermords aufmerksam, dem er – nachdem er gemeinsam mit zahlreichen anderen bosniakischen Männern den „Todesmarsch von Srebrenica“ angetreten war – durch glückliche Umstände entkommen konnte.“

Bestellbar über die Bundeszentrale für politische Bildung, 1,50Euro: https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/550718/srebrenica-ueberleben/

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