Stellungnahme des Friedenskreis Halle e.V. zu den Attentaten in Paris und dem daraus folgendem Kriegseintritt Deutschlands in den Syrien-Einsatz.

Krieg ist die falsche Antwort auf die Attentate in Paris!


Das Attentat von Paris ist eine Tragödie. Die Verantwortlichen haben den Idealen von Freiheit und Gleichheit einen empfindlichen Schlag versetzt. Nun geht es darum, überlegt auf das Attentat zu reagieren. Krieg – ja schon die Forderung dessen – ist der falsche Weg.   

 Nach dem Attentat von Paris ist nun ein noch stärkeres militärisches europäisches Engagement in Syrien und im Irak abzusehen. Allein die Bundeswehr wird sich mit 1200 Soldat_innen und über 100 Millionen EUR an diesem Angriffskrieg gegen den IS beteiligen.

Aber der politische und mediale Ruf nach Krieg ist eine emotionale und irrationale Reaktion. Eine Antwort auf das Attentat muss in erster Linie innergesellschaftlich erfolgen. Es ist zynisch, die Opfer von Paris, ihre Familien und Freund_innen als Begründung eines militärischen Vorgehens zu benutzen, denn dieses kann als einzige Wirkung nur weiteres Leid erzielen.

Die Prävention derartiger Gewalt und damit eine adäquate Reaktion auf das Attentat ist zuallererst eine inner- und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehören Inklusion statt Ausgrenzung, Religionsfreiheit statt Radikalisierung und Vorurteile. Dabei haben die Radikalen und Gewaltbereiten in Europa und den islamischen Staaten ähnliche Einstellungen: Nationalismus, Ausgrenzung entlang von ethnischen und religiösen Zugehörigkeiten, Gewaltbereitschaft, vorgeschobene traditionelle und religiöse Werte als Abgrenzung und Legitimation ihres eigenen Herrschaftsanspruches. Diese gehen einher mit Sexismus und Demokratiefeindlichkeit. Die (Auf-)Lösung dieser Angst, Gewalt und Hass auslösenden Einstellungen ist eine innergesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nicht durch Krieg in Syrien, dem Irak oder andernorts erreicht werden.

Wenn nun politische Entscheidungsträger_innen und Medienvertreter_innen von Krieg sprechen, so treiben sie die Spannungen zwischen den verschiedentlich positionierten Gruppen einer Gesellschaft noch weiter in eine Richtung, die gewalttätige Auseinandersetzungen als Lösungsmöglichkeit für derlei Konflikte legitimiert. Sie tragen damit zu einer Eskalation der Konflikte bei.

Es handelt sich bei dem Attentat von Paris nicht um Kriegshandlungen, sondern dieses Verbrechen ist ein Verstoß gegen in Frankreich geltende Gesetze, voran das Tötungsverbot. Die konkreten Täter_innen gehören vor Gerichte, nicht ganze Regionen ins Visier der militärischen Exekutive.

Es hat sich historisch gezeigt, dass militärische Eingriffe keinen Frieden bringen. Vielmehr sind jahrelange Einsätze mit vielen Toten und Verletzten, handlungsunfähige Regierungsstrukturen und zersplitterte, verfeindete Zivilgesellschaften die häufige Folge. Schließlich verhindert ein derartiges Vorgehen zukünftige Attentate nicht.

Es ist verkürzt sich nur solidarisch mit den Opfern von Paris zu zeigen. Zu schnell verlieren wir andere Attentate und Angriffe aus dem Blick. Wir dürfen die Betroffenen von Ankara, Beirut und Bamako nicht vergessen. Auch mit ihnen müssen wir uns solidarisch zeigen!

Es bleibt die Aufforderung, aus dem Versagen der letzten Jahre zu lernen und den gewaltfreien Ansätzen zur Konfliktbearbeitung Möglichkeiten zur Wirkungsentfaltung zu lassen. Deshalb sprechen wir uns als Friedenskreis Halle e.V. einmal mehr gegen Kriegshandlungen aus, die reflexhaft wirken, und öffentlich als einziges mögliches und wirksames Mittel dargestellt werden. Zu groß sind die Ähnlichkeiten mit dem 11. September 2001 und seinen weltweiten Folgen der Überwachung und der Angriffskriege auf verschiedene Ziele mit vielen tausend Toten. Die Die Gesellschaft muss aus dieser Vergangenheit lernen und darf nicht immer wieder die gleichen Fehler machen!

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