From Shadows to Solidarity: Afghan Women’s Resistance Continues
– Deutsche Übersetzung weiter unten –
In our last newsletter, we reflected on the devastating impact of the Taliban’s return to power on the lives of Afghan women and girls. The situation remains severe: girls are banned from attending school beyond the primary level, most jobs are out of reach, and women’s voices have been silenced in public life. Yet, even amid this repression, Afghan women have not stayed silent. Across Afghanistan and within the diaspora, a quiet yet strong resistance is emerging, led by civil society, grassroots groups, and women themselves. Afghan women, both inside the country and in exile, have not given up—and neither should we. Today, we focus on these acts of courage and solidarity.
In recent months, grassroots initiatives and civil society efforts have continued to support Afghan women where formal institutions have failed. Despite severe repression, Afghan women are creating spaces for autonomy and survival. Underground schools still operate secretly. Informal networks of women activists provide counseling, language courses, vocational training, and community support—often with limited funding but strong dedication. Many of these initiatives are led by women who were once teachers, social workers, or community leaders—roles now criminalized by the de facto authorities.
One such initiative is LEARN Afghanistan, founded by educator and activist Pashtana Durrani. This grassroots organization has been operating underground schools in several Afghan provinces since the return of the Taliban in 2021. These secret learning centers give girls the chance to continue their education when formal schooling is banned. Despite huge risks, the organization has reached hundreds of students through offline digital resources, solar-powered tablets, and a trusted network of women teachers. LEARN Afghanistan shows the courage and creativity that Afghan women bring to their fight for dignity and basic rights. It’s a strong example of how community-led efforts can keep education alive, even in the toughest conditions.
A second example of this resilience was shared by Sima Bahous, UN Under-Secretary-General and Executive Director of UN Women, during her speech to the UN Security Council last week on June 23rd. She told the story of Sama, a woman entrepreneur from Bamyan province, who manages a small shop in the women’s market. With the help of solar panels installed by UN Women, Sama and other women business owners have been able to reduce their energy costs, increase their production, and expand their businesses. In just one year, 35 women-led shops in that market collectively earned over $62,500—more than twice their previous annual income. This is more than an economic achievement; it is a story of agency, determination, and hope in a place where hope is often restricted by law.
These individual efforts occur in the context of a much larger crisis. According to the latest data from UN Women’s Afghanistan Gender Index, nearly 78 percent of Afghan women aged 18 to 29 are neither working, studying, nor involved in any form of training. This represents one of the highest gender gaps in the world, highlighting not only a national emergency but also a generational catastrophe in progress. For millions of young Afghan women, the future has been taken away before it could even start.
And yet, despite this harsh reality, Afghan women continue to resist. These stories do not make headlines. They are not part of major political strategies. Still, they are deeply meaningful. They show the everyday courage of Afghan women who refuse to be erased from history. They prove that resilience is not only possible — it is already happening.
At Friedenskreis, we are dedicated to amplifying these voices. The bravery of Afghan women—whether in Bamyan, in underground schools, or across the diaspora—reminds us that solidarity isn’t just about speaking out. It’s about listening, elevating, and supporting grassroots efforts with real resources and attention. In a time when Afghan women are being pushed to the margins, our task is to help bring their work to the forefront.
For further information and ways to support, we recommend:
• LEARN Afghanistan – Education in Crisis
• UN Women: „We Must Not Look Away“ – Full Speech by Sima Bahous
• Women for Afghan Women – Grassroots Support for Afghan Families
– Deutsche Übersetzung –
In unserem letzten Newsletter haben wir über die verheerenden Auswirkungen der Rückkehr der Taliban an die Macht auf das Leben der afghanischen Frauen und Mädchen berichtet. Die Lage ist nach wie vor ernst: Mädchen dürfen nur bis zur Grundschule zur Schule gehen, die meisten Arbeitsplätze sind unerreichbar, und die Stimme der Frauen im öffentlichen Leben ist zum Schweigen gebracht worden. Doch trotz dieser Unterdrückung haben die afghanischen Frauen nicht geschwiegen. In ganz Afghanistan und in der Diaspora formiert sich ein stiller, aber starker Widerstand, angeführt von der Zivilgesellschaft, von Basisgruppen und von den Frauen selbst. Die afghanischen Frauen, sowohl im Land als auch im Exil, haben nicht aufgegeben – und das sollten wir auch nicht. Heute konzentrieren wir uns auf diese Akte des Mutes und der Solidarität.
In den letzten Monaten haben Basisinitiativen und zivilgesellschaftliche Bemühungen die afghanischen Frauen dort unterstützt, wo die offiziellen Institutionen versagt haben. Trotz schwerer Repressionen schaffen afghanische Frauen Räume für Autonomie und Überleben. Untergrundschulen werden immer noch im Geheimen betrieben. Informelle Netzwerke von Aktivistinnen bieten Beratung, Sprachkurse, Berufsausbildung und Unterstützung für die Gemeinschaft an – oft mit begrenzten Mitteln, aber mit großem Engagement. Viele dieser Initiativen werden von Frauen geleitet, die früher Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen oder Gemeindevorsteherinnen waren – Rollen, die heute von den Behörden de facto kriminalisiert werden.
Eine dieser Initiativen ist LEARN Afghanistan, gegründet von der Pädagogin und Aktivistin Pashtana Durrani. Diese Basisorganisation betreibt seit der Rückkehr der Taliban im Jahr 2021 Untergrundschulen in mehreren afghanischen Provinzen. Diese geheimen Lernzentren geben Mädchen die Möglichkeit, ihre Ausbildung fortzusetzen, wenn die formale Schulbildung verboten ist. Trotz enormer Risiken hat die Organisation Hunderte von Schülern durch digitale Offline-Ressourcen, solarbetriebene Tablets und ein vertrauenswürdiges Netzwerk von Lehrerinnen erreicht. LEARN Afghanistan zeigt den Mut und die Kreativität, die afghanische Frauen in ihrem Kampf um Würde und Grundrechte an den Tag legen. Es ist ein starkes Beispiel dafür, wie von der Gemeinschaft getragene Bemühungen die Bildung selbst unter schwierigsten Bedingungen am Leben erhalten können.
Ein zweites Beispiel für diese Widerstandsfähigkeit lieferte Sima Bahous, UN-Untergeneralsekretärin und Exekutivdirektorin von UN Women, in ihrer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat vor gut einer Woche, am 23. Juni. Sie erzählte die Geschichte von Sama, einer Unternehmerin aus der Provinz Bamyan, die einen kleinen Laden auf dem Frauenmarkt betreibt. Mit Hilfe der von UN Women installierten Solarzellen konnten Sama und andere Unternehmerinnen ihre Energiekosten senken, ihre Produktion steigern und ihre Geschäfte ausbauen. In nur einem Jahr erwirtschafteten 35 von Frauen geführte Geschäfte auf diesem Markt zusammen über 62.500 Dollar – mehr als das Doppelte ihres vorherigen Jahreseinkommens. Dies ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Erfolg; es ist eine Geschichte von Handlungsfähigkeit, Entschlossenheit und Hoffnung an einem Ort, an dem Hoffnung oft durch Gesetze eingeschränkt wird.
Diese individuellen Bemühungen finden vor dem Hintergrund einer viel größeren Krise statt. Nach den jüngsten Daten des Afghanistan Gender Index von UN Women sind fast 78 Prozent der afghanischen Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren weder berufstätig, noch studieren sie, noch nehmen sie an irgendeiner Form von Ausbildung teil. Dies stellt eine der größten geschlechtsspezifischen Diskrepanzen in der Welt dar und verdeutlicht nicht nur eine nationale Notlage, sondern auch eine Generationenkatastrophe, die im Gange ist. Millionen junger afghanischer Frauen wurde die Zukunft genommen, bevor sie überhaupt beginnen konnte.
Doch trotz dieser harten Realität leisten die afghanischen Frauen weiterhin Widerstand. Diese Geschichten machen keine Schlagzeilen. Sie sind nicht Teil der großen politischen Strategien. Dennoch sind sie von großer Bedeutung. Sie zeigen den alltäglichen Mut afghanischer Frauen, die sich weigern, aus der Geschichte ausgelöscht zu werden. Sie beweisen, dass Resilienz nicht nur möglich ist, sondern bereits stattfindet.
Im Friedenskreis setzen uns dafür ein, diesen Stimmen Gehör zu verschaffen. Der Mut der afghanischen Frauen – ob in Bamyan, in Untergrundschulen oder in der Diaspora – erinnert uns daran, dass Solidarität nicht nur darin besteht, seine Stimme zu erheben. Es geht darum, zuzuhören, sich zu erheben und die Bemühungen an der Basis mit echten Ressourcen und Aufmerksamkeit zu unterstützen. In einer Zeit, in der die afghanischen Frauen an den Rand gedrängt werden, ist es unsere Aufgabe, ihre Arbeit in den Vordergrund zu rücken.
Für weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten empfehlen wir zum Beispiel:
• LEARN Afghanistan – Education in Crisis
• UN Women: „We Must Not Look Away“ – Full Speech by Sima Bahous
• Women for Afghan Women – Grassroots Support for Afghan Families
Ahmad Naweed Ghulami