Gemeinsam stark in unsicheren Zeiten
Die Finanzierung eines großen Teils unserer präventiven offenen Kinder- und Jugendarbeit steht weiterhin auf der Kippe. Ausbleibende Zuwendungsbescheide, kein Geldfluss trotz genehmigtem vorzeitigem Maßnahmenbeginn, schwindende Rücklagen. Mieten und Gehälter mussten aus eigener Kraft vorgestreckt werden. Zwischenzeitlich stand sogar die Kündigung aller in den Stadtprojekten beschäftigten Kolleg*innen zu Ende März im Raum, um Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.
Betroffen waren nicht nur wir im Friedenskreis. In ganz Halle wurden Angebote eingeschränkt, Personal entlassen oder Einrichtungen geschlossen. Jede Schließung reißt ein Loch ins soziale Netz, das gerade dort trägt, wo Kinderarmut und psychosoziale Belastungen besonders hoch sind. Zwischen politischer Bühne und sozialer Basis entstand ein Spalt, den wir uns nicht leisten können. Entscheidend war daher der Zusammenhalt.
Die Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Halle handelten geschlossen und solidarisch. Konkurrenz spielte keine Rolle, sondern Verantwortung. Informationen wurden geteilt, Strategien abgestimmt, Proteste gemeinsam organisiert. Dieses Miteinander war ein starkes Signal.
Auch die Unterstützung aus der Bevölkerung war beeindruckend und deutlich sichtbar. Eltern, Jugendliche, Fachkräfte und viele Engagierte bezogen öffentlich Stellung. Die Kundgebung auf dem Marktplatz am 26. Februar zeigte: Die offene Kinder- und Jugendarbeit hat Rückhalt in der Stadtgesellschaft.
Der gemeinsame Einsatz hat Wirkung gezeigt: die teilweise Finanzierung der Projekte ist bis Mai gesichert. Das verschafft Luft. Aber es ist ein Atemzug, kein Fundament. Was danach kommt, bleibt offen. Und Unsicherheit ist Gift für langfristige pädagogische Arbeit. Beziehungen wachsen nicht im Zwei-Monats-Takt, Vertrauen entsteht nicht auf Widerruf.
Was bleibt, ist ein klares Zeichen: Die offene Kinder- und Jugendarbeit in Halle steht nicht allein. Jetzt braucht es eine zügige und nachhaltige Lösung. Die Verantwortung liegt bei der Politik.