(Photo: leipziger-buchmesse.de)
Miljenko Jergović bei der Preisverleihung in Leipzig
Der Schriftsteller Miljenko Jergović wurde am 18. März 2026 im Rahmen der Eröffnungsfeier der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2026 ausgezeichnet.
Ausgezeichnetes Werk
Die Auszeichnung wurde für seine Erzählsammlung Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered (Suhrkamp Verlag) verliehen, die von Brigitte Döbert ins Deutsche übersetzt wurde.
Begründung der Jury
In ihrer offiziellen Stellungnahme würdigte die Jury Jergovićs Werk als eine eindringliche literarische Auseinandersetzung mit den Bruchlinien der Geschichte des westlichen Balkans. Kriegserfahrungen bilden den zentralen Ausgangspunkt seines Schreibens, das Familiensagas, unkonventionelle Road-Narrative sowie ein intimes Porträt seines Vaters umfasst. Besonders hervorgehoben wurde seine Sensibilität für scheinbar unscheinbare Details; zugleich betonte die Jury, dass sein literarischer Ansatz vereinfachenden Deutungen widerstehe und den Gefahren nationalistischer Vereinnahmung entgegenwirke.
(Photo: leipziger-buchmesse.de)
Den Vorsitz der Jury 2026 führte Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig. Weitere Mitglieder waren Dr. Maike Albath, Dr. Katja Gasser, Michael Lemling sowie Dr. Lothar Müller. Die Laudatio hielt die serbisch-österreichische Schriftstellerin Barbi Marković.
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung zählt zu den renommiertesten Literaturauszeichnungen Deutschlands. Er wurde 1994 ins Leben gerufen, wird jährlich vergeben und ist mit 20.000 Euro dotiert.
Politischer Kontext
Die diesjährige Preisverleihung fand vor dem Hintergrund bemerkenswerter politischer Spannungen statt. Während der Veranstaltung äußerten der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie Sebastian Guggolz, Vertreter des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Kritik am Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer. Guggolz erklärte: „Wir werden uns nicht durch politische Interventionen einschüchtern lassen, die darauf abzielen, unsere Freiheit und Unabhängigkeit infrage zu stellen.“
Quellen:
Verfasser: Emir Rujevic