Zivilgesellschaftliche Proteste in Serbien und Erinnern an Srebrenica – 30 Jahre
Die Balkan-Region ist unsere älteste internationale Partnerregion. Heute arbeiten wir mit mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen in verschiedenen Ländern dort zusammen. Deshalb sind die dortigen politischen und zivilgesellschaftlichen Prozesse für uns von besondere Bedeutung. Hier teilen wir einige aktuelle Einblicke und Empfehlungen zum Weiterinformieren.
Zivilgesellschaftliche Proteste in Serbien
Seit November letzten Jahres finden in Serbien zahlreiche Demonstrationen und Protestaktionen gegen die autoritäre Regierung von Präsident Aleksandar Vučić statt, der Korruption und Machtmissbrauch vorgeworfen wird. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsdachs am 01. November 2024 in Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen.
Erst letztes Wochenende (02. Juni) hat es wieder zahlreiche Proteste im ganzen Land gegeben, bei denen die Demonstrierenden Neuwahlen gefordert haben. Vor allem sind es Student*innen und junge Menschen, die die Protestbewegung tragen und sich in den letzten Monaten kollektiv gegen die Missstände in ihrem Land organisieren. Neben einer umfassenden Aufklärung des Vorfalls in Novi Sad, wird ein grundsätzlich neues demokratisches System, welches auf Rechtsstaatlichkeit beruht, gefordert.
Um die Forderungen der Proteste an eine europäische Öffentlichkeit und zentrale europäischen Institutionen zu richten, ist eine Gruppe serbischer Studierender im April mit dem Fahrrad bis nach Straßburg gefahren. Radio Corax hat mit Menschen gesprochen, die die Delegation bei ihrem Halt in Budapest solidarisch empfangen haben:
https://radiocorax.de/serbien-eine-fahrradtour-gegen-korruption/
Über Parallelen mit anderen Protestbewegungen in Südosteuropa (Nordmazedonien, Ungarn, Griechenland, Türkei), deren Kontextualisierung und Potenzial, wurde in der Wochenzeitung mit der Anthropologin Tanja Petrović gesprochen – ein sehr interessantes Interview: https://www.woz.ch/2514/widerstand-auf-dem-balkan/eu-fahnen-sind-keine-zu-sehen/!59ZZCASNSPVS
Zu den Möglichkeiten eines demokratischen Neuanfangs in Serbien und Einschätzungen von Aktivist*innen, Journalist*innen und Vertreter*innen der politischen Opposition, hier der Link zu einem Artikel der Heinrich-Böll-Stiftung: https://www.boell.de/de/2025/03/14/fuehrt-serbiens-protestbewegung-zu-einem-demokratischen-neuanfang
Erinnern an Srebrenica – 30 Jahre
Außerdem möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sich das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 mehr als 8.000 bosnisch-muslimische Jungen und Männer ermordet wurden, im kommenden Juli 30 Jahre jährt.
Dies ist Anlass für zwei Veranstaltungen, die von der Heinrich-Böll-Stiftung initiiert werden und Ende Juni in Berlin unter dem Titel Srebrenica, 30 Jahre später – umkämpftes Erinnern stattfinden:
– am 29. Juni: Filmvorführung ŠTO TE NEMA („Where Have You Been“), ein Dokumentarfilm über das partizipative, nomadische Denkmal nicht ausgetrunkener Kaffeetassen der bosnisch-amerikanischen Künstlerin Aida Šehović, das den Opfern von Srebrenica gewidmet ist: https://calendar.boell.de/de/event/srebrenica-30-jahre-spaeter-umkaempftes-erinnern-0
– am 30. Juni: Podiumsdiskussion zu „Gedenkstätten heute: erinnerungspolitische Arbeit in polarisiertem Umfeld und Präsentation“ sowie „Dialograum: Mit den Mitteln der Kunst gegen das Schweigen der Gesellschaft“:
https://calendar.boell.de/de/event/srebrenica-30-jahre-spaeter-umkaempftes-erinnern