Zusammenhalten und Widersprechen: eine Demokratische Gesellschaft lebt von dem Engagement ihrer Bürger*innen
Ohne das Engagement von Bürger*innen haben wir als Gesellschaft keine Chance auf ein würdevolles Leben, auf ein demokratisches Miteinander, in dem Konflikte konstruktiv ausgetragen werden. Menschen engagieren sich für Katastrophenschutz und Rettungsdienste, Sport, Menschenrechte, in der Fürsorge für Personen, die von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind oder angegriffen werden, in religiösen Gemeinschaften, Lokalpolitik, Kunst & Kultur, für Klimagerechtigkeit und für so viele weitere Themen.
Und für Engagement braucht es Strukturen der Zusammenarbeit: Initiativen, Bündnisse, Vereine, Stiftungen, Unternehmen. Diese Strukturen, die demokratische Zivilgesellschaft, werden in den letzten Jahren auch in Deutschland verstärkt angegriffen. Unter dem Stichwort „NGO-Komplex“ und mit Kampagnen gegen einzelne Organisationen wird die Legitimität von gesellschaftlichem Engagement in Frage gestellt und erschwert. Geplant und befördert wird das durch (vor allem rechte) Medien, Bürger*innen und Politiker*innen – auch aus dem demokratischen Spektrum.
Wir kennen die Angriffe auf Zivilgesellschaft nur zu gut aus dem europäischen aber auch außereuropäischen Ausland. Beispiele sind Orbans Ungarn, Polen, die Vereinigten Staaten von Amerika oder Nicaragua – auf dem Weg ins Autoritäre wird bürgerschaftliches Engagement angefeindet. Anfeindungen und Einschränkungen schrumpfen die Räume für gesellschaftliches Engagement („Shrinking Spaces“), wie Brot für die Welt das in seinem „Atlas der Zivilgesellschaft“ (CIVICUS-Monitoring) eindrücklich darstellt – wegen der Diskussion um das Neutralitätsgebot befindet sich Deutschland in derselben Kategorie wie Ungarn („Beschränkt“). Der Prozess verläuft meist nach ähnlichen Mustern, weshalb von einem autoritären Drehbuch gesprochen wird (vgl. z.B. das Papier des TTRex/Campact).
Dabei kann zivilgesellschafliches Engagement so viel bewegen. Staatliche Institutionen wissen das und stellen finanzielle Förderung zur Verfügung, insbesondere für Aufgaben, die der Staat selbst nicht (in entsprechender Qualität) erfüllen kann.
Lasst uns dieses gesellschaftliche Engagement feiern, ohne das unsere Gesellschaft stehen bleibt: sei dies ehrenamtlich in einer Kiezinitiative, in oft prekärer Anstellung (finanziert über Stiftungs-, staatliche Mittel und Spenden) oder in sozialen Bewegungen.
Einige Beispiele:
das Engagement abertausender Personen in den freiwilligen Feuerwehren sorgt dafür, dass auch in ländlichen Regionen flächendeckend auf Brände reagiert werden kann. Der Vorsitzende des Bayerischen Landesfeuerwehrverbands, Johann Eitzenberger, erklärt im Podcast „Die NGO-Debatte“, warum das mit einer Berufsfeuerwehr nicht finanzierbar ist.
Das (staatlich geförderte) langjährige Engagement von Pro Peace und Kompetenzzentrum Kommunale Konfliktberatung zeigen eindrücklich, dass Konflikte in deutschen Kommunen proaktiv und konstruktiv ausgetragen werden können.
Ohne das Engagement von Sportvereinen und Rettungsdiensten ist keine große Kultur- oder Sportveranstaltung, keine Demo denkbar.
Und das Engagement vieler trägt zur demokratischen Willensbildung bei. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie unser Familienrecht, Staatsangehörigkeitsrecht, unsere Energieversorgung und Arbeitswelten aussehen würden, hätte es kein bürgerschaftliches Engagement gegeben. Zu politischer Willensbildung passt auch das Jahresmotto des Friedenskreis „Nicht Neutral“. Ja wir stehen für Menschenrechte ein – ohne wenn und aber. Und ja, wir beziehen zu politischen Fragen Stellung. Seit über 10 Jahren engagiert sich die zivilgesellschaftliche Allianz Rechtssicherheit für politische Willensbildung unter anderem dafür, dass sich die Rahmenbedingungen für politisches Engagement zivilgesellschaftlicher Akteur*innen verbessern.
Und da wir unseren Spender*innen, staatlichen und Stiftungszuwender*innen Rechenschaft über unseren Umgang mit anvertrauten Mitteln abgeben möchten, sind wir Mitglied der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.
Zum Weiterlesen und -hören sind empfohlen:
Podcast „Die NGO-Debatte“
Aus Politik und Zeitgeschichte Heft „Zivilgesellschaft“ 13/2026.
Thinktank Rechtsextremismus (Victoria Gulde und Daniel Mullis) 2026: Das autoritäre Playbook verstehen – Demokratie organisieren.
Bitte bleibt stabil, aktiv und engagiert für eine lebendige, offene Gesellschaft. Und bitte zeigt euch solidarisch mit Engagierten, deren Arbeit zuerst in Frage gestellt wird!
Eine gute Lektüre und Sommermonate wünscht euch
Krischan Oberle