Handlungskodex und Ethikkriterien des Friedenskreis Halle e.V.

 

Präambel

Bereits im Jahr 2009 waren mögliche Ethikkriterien im Zusammenhang mit Förderungen von Unternehmensstiftungen für den Friedenskreis ein Thema des Vorstandes und erste Eckpunkte wurden hierzu erarbeitet. Bei unserem jährlichen FK-Wochenende mit Mitgliedern des Vereins im Herbst 2012 wurden erneut – vor allem im Hinblick auf das Thema globale Gerechtigkeit – Kriterien angefragt, an denen sich der Verein im Alltag orientieren kann. Im Hinblick auf die in unserem Leitbild aufgestellten Leitwerte: aktive Gewaltfreiheit, konstruktive sowie zivile Konfliktbearbeitung, gelebte Demokratie, transkulturelle Vielfalt und globale Gerechtigkeit und den dort u.a. formulierten Leitlinien:

Wir streben mit unserem Engagement einen Prozess der gesellschaftlichen Veränderung auf persönlicher, struktureller und kultureller Ebene im Sinne unserer Leitziele an.

Unser Engagement lebt von ehren-, hauptamtlicher und freiberuflicher Mitarbeit. Diese Zusammenarbeit gestalten wir konstruktiv entsprechend der individuellen Bedürfnisse und Kompetenzen.

Unsere Friedensarbeit ist durch professionelle Standards geprägt. Wir verstehen uns als lernende Organisation mit prozessorientierter und transparenter Arbeitsweise.

Unsere Arbeit wird durch Spenden, private und öffentliche Förderungen und selbst erwirtschaftete Mittel finanziert. Dabei ist uns ein an ethischen Kriterien orientierter Umgang mit Geld und ein am Prinzip der Nachhaltigkeit orientierter Einsatz der natürlichen Ressourcen wichtig."

haben wir folgende Kriterien und Orientierungen erarbeitet, welche diese allgemein formulierten Ziele auf die Handlungsebene führen. Der Kodex wurde im Friedenskreis Halle in Vorstand, Geschäftsstelle und der Mitgliederversammlung 2013 diskutiert. Auf der MV 2013 wurde er als zukünftige Handlungsorientierung begrüßt und verabschiedet. Eine Auswertung der Erfahrungen bei der praktischen Anwendung und ggf. eine Weiterentwicklung sollen spätestens auf der Mitgliederversammlung 2014 erfolgen. Mit der Veröffentlichung der Ethikkriterien wollen wir Transparenz schaffen, Handlungsansätze aufzeigen und die Diskussion über den Verein hinaus anregen.

 

Geltungsbereich

Die folgenden Kriterien dienen als Handlungsorientierung und Entscheidungshilfe für den Vorstand, die Mitglieder und Mitarbeitenden (haupt-, neben- und ehrenamtlich) des Friedenskreis Halle e.V. bei allen Vereinsaktivitäten, Projekten und Bildungsveranstaltungen.

 

Transparenz für Mitglieder, Interessierte und Förderer

Der Friedenskreis Halle lebt von der aktiven Beteiligung seiner Mitglieder, Mitarbeitenden und weiteren Interessierten, die sich auf den unterschiedlichen Ebenen des Vereins einbringen können. Daher ist es für uns selbstverständlich, dass auch Vorstandssitzungen für unsere Mitglieder öffentlich sind. Dementsprechend wird zu jeder Sitzung per E-Mail eine Einladung und anschließend ein Protokoll an alle Mitglieder versandt. Die Protokolle sind auch jederzeit in den Räumlichkeiten des Friedenskreises einsehbar. Außerdem gehen Einladungen und Berichte zu Mitgliederversammlungen und FK-Wochenenden per E-Mail an alle Mitglieder und Mitarbeitenden.

Unsere Mitglieder, Interessierte und Förderer informieren wir über unsere Projekte, Veranstaltungen und Arbeitsbereiche regelmäßig im Newsletter, über unsere E-Mail-Verteiler, in Printmedien, Pressemitteilungen, auf der Webseite www.friedenskreis-halle.de und im jährlichen Heft fk-aktuell.

Wir beteiligen uns darüber hinaus an der Initiative transparente Zivilgesellschaft und legen die entsprechenden Daten auf unserer Webseite offen.

 

Kommunikation

Für uns ist Frieden kein Zustand, sondern ein Prozess, in dem auch die Art der Kommunikation eine Rolle spielt. Wir sind uns der Wichtigkeit gewaltfreier Kommunikation und konstruktiver Konfliktbearbeitung im Arbeits- und Vereinsalltag bewusst.

Wir bemühen uns um eine inkludierende und nicht-diskriminierende Sprache in Wort und Schrift.

Sollte im Arbeitsalltag eine konstruktive Klärung von Konflikten zwischen oder mit den Beteiligten alleine nicht möglich sein, binden wir Vorstand und Geschäftsführung sowie den Betriebsrat des Vereins oder externe Unterstützung ein.

Respektvolle Kommunikation und Fairness gegenüber Vertreter_innen inhaltlich-politisch anderer Positionen sind für uns grundlegend für den Weg zu einer gewaltärmeren Welt.

 

Bezahlung und Mitarbeitervertretung

Eine angemessene und transparente Gehaltsordnung, Richtlinie für Honorare und die Zahlung von Taschengeldern für FWD sowie Aufwandsentschädigungen bei ehrenamtlichem Engagement sind uns ein Grundanliegen. Bis spätestens zur MV 2014 sind hierzu schriftliche Eckpunkte erarbeitet.

Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle des Friedenskreis Halle e.V. sind aktiv in die Gestaltung der Arbeitsbedingungen durch Verein, Vorstand und Geschäftsführung eingebunden. Darüber hinaus wählen sie zur Vertretung ihrer Anliegen und Interessen einen Betriebsrat bzw. eine Betriebsrätin.

 

Finanzgeber / Förderung

Wir sind eine parteipolitisch und konfessionell unabhängige Nichtregierungsorganisation, in unserer Arbeit jedoch auf private und öffentliche Fördermittel angewiesen. Wir nehmen jedoch keine Gelder von privatrechtlichen Institutionen, Stiftungen oder Sponsoren an, die

  • die Menschenrechte missachten oder deren Missachtung verschleiern,

  • gegen grundlegende Rechte der Beschäftigten verstoßen (u.a. das Recht, sich zu organisieren, das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, den Verstoß gegen das Recht auf existenzsichernde Entlohnung),

  • sich der Korruption, der Steuerflucht und des Steuerbetrugs bedienen oder diese decken,

  • fortgesetzt gegen das Umwelt- oder Sozialrecht, internationale Abkommen und Konventionen verstoßen,

  • Initiativen für einen gerechten Welthandel behindern oder die Verschuldung, Be- nachteiligung und Abhängigkeit der Menschen in „Entwicklungsländern“ verschärfen,

  • Raubbau an natürlichen Ressourcen betreiben oder fördern,

  • dauerhaft Informationen über das eigene Umwelt- und Sozialverhalten nicht offen legen,

  • gegen Prinzipien des Tierschutzes verstoßen,

  • systematisch gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verstoßen,

  • bei Herstellung und Marketing für ihre Produkte oder Dienstleistungen gegen in- ternationale Codizes verstoßen,

  • Militär- oder Rüstungsgüter produzieren und damit handeln,

  • Atomenergie produzieren,

  • Gentechnik anwenden oder fördern,

  • besonders umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe oder Produkte herstellen, vertreiben oder verwenden sowie

  • Tabak und Tabakprodukte herstellen und vertreiben.

Bei staatlichen Mitteln, öffentlichen Ausschreibungen und Förderprogrammen prüfen wir neben den inhaltlichen Entsprechungen auch kritisch die politische Zielrichtung und die gesetzten Rahmen- sowie Förderbedingungen.

 

Aufträge und Kooperationen

Bei der Vergabe von Aufträgen, bei Kooperationen oder Beteiligung an Veranstaltungen von anderen Institutionen, Organisationen oder Unternehmen achten wir ebenfalls auf die Einhaltung der aufgeführten Ausschlusskriterien ebenso wie auf die genaue Betrachtung der jeweiligen politische Zielrichtung und die gegebenen Rahmenbedingungen.

 

Banken und Geldanlagen

Unsere Spenden- und Fördergelder sollen unseren Projekten zugute kommen, nicht jedoch Spekulanten oder der Finanzierung von oben aufgeführten Wirtschaftsbereichen. Daher haben wir unsere Konten bei ökologisch-sozial-nachhaltigen Banken wie der GLS Gemeinschaftsbank und bei der Saalesparkasse1 als Bank mit regionaler Vorortung und öffentlich-rechtlicher Aufsicht.

 

Veranstaltungsorte

Unsere Veranstaltungsorte suchen wir neben Kosten- und Ausstattungsaspekten auch danach aus, ob sie unserem Handlungskodex entsprechen. Wichtige Aspekte sind hierbei Trägerschaft, entsprechende Verpflegung, Barrierefreiheit und gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmittel. Im Vorfeld unserer Angebote und Veranstaltungen werden spezifische Verpflegungsbedarfe, Mobilitätseinschränkungen oder die Notwendigkeit der Kinderbetreuung bei den Teilnehmenden erfragt und nach Möglichkeit berücksichtigt.

 

Lebensmittel und Verpflegung bei Angeboten

Frieden ist immer auch eine Frage der Erhaltung des Lebensraumes und des Ausbaus sozialer Gerechtigkeit. Daher nutzt der Friedenskreis Halle e.V. bei Veranstaltungen möglichst Produkte aus biologischer und regionaler Landwirtschaft sowie aus fairem Handel. Es wird auf Einsparungen bei Verpackungen und Getränken in Mehrwegflaschen geachtet sowie Wegwerfgeschirr vermieden. Es wird vorzugsweise vegetarisch gegessen. Auf Wunsch wird veganes Essen und andere spezifische Verpflegung zur Verfügung gestellt.

 

Reisen

Im Stadtgebiet wird möglichst auf PKW-Fahrten verzichtet – zu Fuß, ÖPNV und Fahrrad sind hier die bevorzugten Mittel der Fortbewegung. Auf innerdeutschen Strecken reisen Mitarbeiter_innen möglichst mit der Bahn. Auch bei der Wahl der Verkehrsmittel auf Langstrecken, z.B. bei Auslandsreisen, werden ökologische Kriterien beachtet.

 

Büroausstattung und Seminarmaterialien

Wir beziehen für unsere Geschäftsstelle Ökostrom und nutzen ökologisch unbedenkliche Büromaterialien wie Recycling-Papier und gebrauchte Briefumschläge. Dementsprechend bestellen wir Büro- und Seminarmaterial vorzugsweise beim Öko-Handel. Es wird auf die sparsame Nutzung der Büromaterialien sowie die Menge der wirklich notwendigen Ausdrucke und Vervielfältigungen geachtet. Mehrseitendruck, freie Rückseiten und Schmierpapier werden wo möglich genutzt.

 

Printmedien und Veröffentlichungen

Beim Druck von Printmedien wird auf eine sinnvolle und notwendige Stückzahl geachtet. Mit den Druckereien wird die Nutzung von Recycling-Papier vereinbart.

 

Stand: 1. August 2013

 

1 Die Praxis der Geldanlagen der Saalesparkasse soll noch einmal kritisch geprüft und mit der Sparkasse erörtert werden.


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